Martinzeller Verband

Aktuelles

Familientag am 02.10.2021 in Tübingen

von Bernhard Nick

Es war eine Schritt zurück in die Normalität: ein sehr gelungener Familientag mit reger Beteiligung bei wunderbarem Wetter in einer Stadt mit viel Zeller-Geschichte. Der für 2020 geplante Zellertag in Tübingen, den wir pandemiebedingt absagen mußten, wurde so sehr schön nachgeholt.

Tübingen ist für die Familie Zeller ein sehr prägender Ort: Generationen von Zeller-Pfarrern haben im Stift Theologie studiert, bis vor kurzem war Bernhard Leube dort Professor für Kirchenmusik. Unser gemeinsamer Großvater Martin Leube, verheiratet mit Anne Zeller hat eine Geschichte des Stifts verfasst. Ich habe in Tübingen neun sehr schöne Jahre mit Chemiestudium und Promotion verbracht und dort geheiratet. Eva Zeller, die Vorsitzende unseres Zellervereins und der Zellerstiftung lebt in Tübingen.

Zum Familientag trafen wir uns am Hölderlinturm. 2020 war der 150. Geburtstag von Hölderlin und deshalb war das Hölderlin-Museum dort erweitert und neu eingerichtet worden. Hölderlin, der über seine Mutter auch zu unseren entfernteren Verwandten zählt, hat im Hölderlinturm sein halbes Leben verbracht. Eva Zeller, eine wirkliche Hölderlin-Expertin, hat uns Hölderlin bei den Führungen sehr nahe gebracht. Sein Aufwachsen, typisch für eine Familie aus der Ehrbarkeit: nach Landesexamen das Internat in Maulbronn und dann das Theologiestudium im Stift in Tübingen. Dann der Ausbruch, nicht Pfarrer, sondern Hauslehrer, zuerst in Frankfurt, danach in der Schweiz und in Bordeaux, wohin er zu Fuss wanderte. Beeindruckend ist im Museum, wenn man die Räume sieht, in denen er viele Jahre tage- und nächtelang auf und ab ging, dichtend umd reimend. Dann wird verständlich, wie Hölderlins Rhythmen-betonte Dichtungen entstanden, die so anders sind wie die Dichtungen zu seiner Zeit, weder in die Weimarer Klassik noch in die romantische Kategorie passen. Gut dargestellt wird im Hölderlin-Museum auch, wie Hölderlin 1806 für 7 Monate zwar aus damaliger Sicht auf modernste, aus heutiger Sicht unmenschliche Weise als Geisteskranker in Tübingen behandelt wurde. Dann hatte er aber das Glück, im Schreinermeister Ernst Zimmer einen sehr verständnisvollen, auch gebildeten Betreuer zu finden, bei dem er ab 1807 Aufnahme fand. Er war damals 37 Jahre alt und hat noch weitere 37 Jahre im Hölderlin-Turm verbracht, später auch betreut durch dessen Tochter Lotte Zimmer. Es gibt einen neuen Zugang zu seinen Versen, wenn man lernt, dass eine der größten Ausgabeposten für Hölderlin die Besohlung der Schuhe war, die er in seinem kleinen Refugium und im Garten regelmäßig durchlief. Auch erschütternd, dass seine Mutter, die in Nürtingen wohnte, in all den Jahren im Hölderlinturm ihn kein einziges mal besuchte.

Es war ein sehr interessanter Museums-Besuch, auch mit vielen Möglichkeiten zu Gesprächen trotz Corona-Einschränkungen, vielen Dank an Eva Zeller für die Organisation!

Einen italienischen Mittagstisch gab es für die Zeller-Familie ganz zentral in der Begegnungsstätte Hirsch mit viel Zeit für Gespräche. Die Mitgliederversammlung konnten wir dort auch kurz abhalten. Da keine Wahlen anstanden, war die wichtigste Infomation von der Schatzmeisterin unseres Zeller-Verins, Andrea Schmidt, dass unsere Finanzen gut dastehen und wir in der Lage sind, weitere Ausbildungstipendien zu vergeben! Leider konnte ein von uns bewilligtes Auslandsstipendium nicht umgesetzt werden wegen Corona-bedingten Reiserestriktionen. Wir freuen uns, der Zeller-Jugend weitere Schritte zu ermöglichen, Anträge sind jederzeit willkommen!

Am Nachmittag gab es die Wahl zwischen einer Stocherkahntour, sehr einladend bei schönstem Sonnenschein, oder einer Stadtführung. Die Stadtführung ging quer durch Tübingen und die Jahrhunderte: vom Aufbegehren gegen die Rekrutierung junger Schwaben zur Kapitalbeschaffung für den württembergischen Monarchen bis zur Verkehrswende unter dem derzeitigen OB Palmer. Auch sehr schön: mitten in Tübingen gibt es eine Hafengasse, die ganz weit weg vom Neckar liegt. Die Erklärung: In dieser Gasse waren die Topfmacher angesiedelt, auf gut schwäbisch ist ein Topf ein „Häfele“. Wunderbar war es, durch die Gassen in Tübingen zu schlendern, die voller junger Menschen waren.

Im Garten der Begegnungsstätte konnten wir in der Sonne sitzend unseren Familientag ausklingen lassen und uns darüber freuen, wieder reale Menschen in direkten Gesprächen erlebt zu haben. Besonderen Dank an Eva Zeller für die Organisation dieses wunderbaren Zellertags. Ich freue mich auf den nächsten Zellertag im Herbst 2022, der wieder für den Großraum Stuttgart geplant ist.

Lastschrifteinzug des Mitgliedsbeitrags für 2022

Am 01.02.2022 werden die diesjährigen Mitgliedsbeiträge per Lastschrifteinzug (sofern erteilt) eingezogen.
Wer uns noch keine Einzugsermächtigung erteilt hat, möge dies bitte nachholen. Ein Formular kann unter der E-Mail-Adresse werner-zeller-stiftung@t-online.de angefordert werden.

Zum Thema Spendenbescheinigung

Leider wurden wir vom Finanzamt Leonberg nicht als gemeinnütziger Verein anerkannt, so dass wir über den Familienverein keine Spendenbescheinigungen ausstellen können/dürfen. Bei weiteren Fragen steht Ihnen unsere Schatzmeisterin  Andrea Schmidt (E-Mail: werner-zeller-stiftung@t-online.de) zur Verfügung.

Nachrichtenheft Nr. 49 des Martinszeller Verbands e.V.  druckfertig

Liebe Großfamilie,

das 49. Nachrichtenheft ist druckfertig und wird in den nächsten Tagen per Post verschickt.
Ausserdem kann es im geschützten Bereich dieser Website als pdf-Dokument heruntergeladen werden.
Um in den geschützten Bereich zu kommen, benötigen Sie einen Benutzernamen und ein Passwort, das Sie auf formlosen Antrag (per E-Mail)  bei der Werner-Zeller-Stiftung erhalten (werner-zeller-stiftung@t-online.de).
Näheres siehe unter:
http://www.martinszeller-verband.de/mitgliedschaft/

Neue Sonderveröffentlichung des Martinszeller Familienverbands erschienen

Das neue Heft zum Preis von 5,00 €/ Exemplar zzgl. Versandkosten ist über den Martinszeller Familienverband, Seedammstr. 1 in 71229 Leonberg
E-Mail: werner-zeller-stiftung@t-online.de
zu beziehen.
Kriegserlebnisse eines Vierzehnjährigen.
Abschrift von Tagebucheinträgen von Herbert Leube aus der Zeit vom 10. April bis 15. Mai und vom 14. Juni bis 24. Juni 1945

Ebenso ist neu erschienen:
(ISBN 978-3-7686-5213-1) Herbert Leube: Die Familie Leube aus Altenburg und Gera (Deutsches Familienarchiv Bd. 162). Insingen 2020. 328 S., zahlreiche Abbildungen, Festeinband, Inhaltsverzeichnis Orts- und Namenregister
37,00 EUR zu beziehen über Verlag Degener (www.degener-verlag.de)

Friederike Zeller: Briefe aus einer anderen Zeit

Aus der Backnanger Zeitung erfuhren wir, dass die 14-jährige Friederike Zeller (Tochter von Sebastian Zeller §185.3) die Geschichte ihres Urgroßvaters Hermann Otto Zeller (§185) aufgearbeitet und den Förderpreis beim 26. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten dafür erhalten hat. Friederike hat uns erlaubt, den Anfang ihres Beitrages abzudrucken, ihre vollständige Recherche kann nachfolgend als pdf-Datei heruntergeladen werden.

„Als die Familie Zeller das Haus von Friederikes Großvater übernahm, stieß sie auf die Unterlagen auf dem Dachboden. Mit ihrem Vater Sebastian Zeller schaute sich Friederike einige Briefe an. „Bei manchen hatte man Angst, dass sie zerfallen, wenn man sie anfasst“, sagt die 14-Jährige. Aber sie sei noch zu jung gewesen, um sich wirklich für die Geschichte zu interessieren.

Am Max-Born-Gymnasium erfuhr sie im letzten Jahr von der Ausschreibung des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten, dem größten historischen Forschungswettbewerb für junge Menschen in Deutschland, der Körber-Stiftung. Das Rahmenthema hieß „So geht’s nicht weiter. Krise, Aufbruch, Umbruch“. Am Schreiben und auch an Geschichte sei sie inzwischen sehr interessiert, sagt die Neuntklässlerin. Die Idee reifte, einen Beitrag aus ihrer eigenen Familiengeschichte einzureichen mit dem Titel „Die Krisen der Nachkriegszeit und der Entnazifizierung am Beispiel von Dr. Hermann Zeller“. (Backnanger Zeitung vom 18.6.2019)

Einleitung ihrer Recherche:

Auf den Geschichtswettbewerb wurde ich durch meine Geschichtslehrerin am Max -Born Gymnasium Backnang, Frau Conrad aufmerksam. Die Verbindung einer geschichtlichen Recherche, mit der Möglichkeit, darüber eine Hausarbeit zu schreiben, hatte einen Reiz für mich, da ich sehr gerne schreibe und mich die Geschichte meiner Vorfahren schon seit längerem interessiert. Dadurch war für mich schnell klar, dass ich mich mit einem biografischen Thema auseinandersetzen möchte. Was für Krisen, Auf- oder Umbrüche gab es in meiner Familie? Wie wurden diese Krisen bewältigt? Was kann ich aus der Krisenbewältigung für die heutige Generation ableiten auch für mich und meine Familie? All diese Fragen beschäftigten mich. Beim Stöbern durch einige Unterlagen, die meine Familie zuhause sammelt, fand ich eine Kopie der Entnazifizierungsakte meines Urgroßvaters Hermann Zeller. Mich interessierte dieses Thema sehr, obwohl ich wusste, dass es mit mehr Recherche verbunden sein würde, da wir im Geschichtsunterricht gerade erst die Weimarer Republik behandelten und ich daher mit meiner Lehrerin den Lernstoff vorarbeiten müsste. Ich beschloss in Rücksprache mit Frau Conrad, mich damit zu beschäftigen. Um mehr über meinen Urgroßvater zu erfahren, schrieb ich einen Brief an seinen Sohn, meinen Großonkel, den letzten lebenden Zeitzeugen aus der Familie. Dieser konnte mir erstaunlich viel darüber erzählen, wie meine Familie die Nachkriegszeit erlebt hatte. Da wir in der Schule das Thema Nachkriegszeit noch nicht behandelt hatten, las ich daheim viele Bücher und Artikel darüber, und beschäftigte mich konkret mit dem Entnazifizierungsverfahren in der amerikanischen Besatzungszone. Um auch allgemein etwas über die Nachkriegszeit in Deutschland zu erfahren, las ich sowohl mehrere Bücher und Artikel über dieses Thema als auch konkret über das Entnazifizierungsverfahren der amerikanischen Besatzungszone. Alle zwei Wochen traf ich mich mit Frau Conrad, erzählte ihr von meinen Ergebnissen, stellte ihr viele Fragen und wir besprachen auch die beste Vorgehensweise bei einer solchen Hausarbeit.

Je mehr ich über meine Familie, die Nachkriegszeit und das Entnazifizierungsverfahren herausfand desto sicherer war ich, dass es für mich die richtige Entscheidung war, an diesem Wettbewerb teilzunehmen.

Quellen, auf die ich mich nicht wörtlich oder sinngemäß beziehe, sind im Quellenverzeichnis aufgelistet.

Hier der vollständige Text als download:
Die Krisen der Nachkriegszeit und der Entnazifizierung am Beispiel von Dr. Hermann Zeller

Friederike Zeller (ZEL §185.3)

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